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Konsumgenossenschaft

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Konsumgenossenschaft Artikel

Die Konsumgenossenschaft ist eine Betriebsform des Einzelhandels, die sich in erster Linie mit dem Vertrieb von [[|Nahrungsmittel|Nahrungs]]- und Genussmitteln sowie verwandten Waren des täglichen Bedarfs beschäftigt. Sie war ursprünglich auf Initiative von Verbrauchern entstanden, die sich von den etablierten Anbietern ausgebeutet fühlten und ihre Lebenshaltung durch billigere beziehungsweise effizientere Warenversorgung zu verbessern trachteten. Teilweise haben die Konsumgenossenschaften ihr Tätigkeitsfeld auch auf die Produktion ausgedehnt.

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Geschichte der Konsumvereine/-genossenschaften

Die Konsumgenossenschaften sind ein Kind der Industrialisierung, überall in Europa. In dem 19. Jahrhundert bildeten sich industrielle und gewerbliche Schwerpunkte heraus. Die Arbeitskräfte wurden von weit her angezogen. Sie waren zwar der Not auf dem Lande entgangen, fanden sich aber wieder in engen und schlecht ausgestatteten Wohnungen und in Arbeitsverhältnissen, in denen sie weitgehend rechtlos waren. Ihren Bedarf an Lebensmitteln deckten sie bei Krämern, bei denen sie mangels Zahlungsmitteln häufig anschreiben ließen und damit auch von diesen abhängig wurden. Die Krämer, auch Heringsbändiger genannt, waren bekannt dafür, dass sie nicht ordentlich wogen und dass die von ihnen verkauften Lebensmittel nicht selten verfälscht oder verdorben waren. Gips wurde dem Mehl beigefügt, gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt, alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft, Nudeln bekamen ihre gelbe Farbe durch Urin und Schokolade wurde mit Hammel - oder Kalbsfett hergestellt.

Zu der bedrückenden Abhängigkeit am Arbeitsplatz ohne Tarif und ohne Kündigungsschutz, in der Wohnung ohne Mieterschutz kam die ebenso drückend empfundene Abhängigkeit vom Krämer, die das Leben ca. schwer erträglich machte.

Und so taten sich schon früh Arbeiter und Handwerker zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern, gründeten Vereine, Assoziationen, Genossenschaften. Die berühmteste in der Geschichte der Konsumgenossenschaften ist die Rochdale Society of Equitable Pioneers , die Rochdaler Genossenschaft der redlichen Pioniere. Am Abend der Wintersonnenwende am 21. Dezember 1844 eröffneten 28 Gründungsmitglieder, größtenteils Flanellweber in Rochdale, Manchester ihren Laden. Sie haben Grundprinzipien formuliert, die global zur Leitlinie der Konsumgenossenschaftsbewegung wurden:

  • Gleiches Stimmrecht: Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der Einzahlung.
  • Jedermann kann der Genossenschaft jederzeit zu den gleichen Bedingungen beitreten, wie die bisherigen Mitglieder.
  • Rückvergütung: Je mehr ein Mitglied bei der Genossenschaft kauft, um so größer soll seine Beteiligung am Überschuss sein.
  • Verkauf ca. gegen Barzahlung
  • Lieferung unverfälschter Ware mit vollem Gewicht
  • Politische und religiöse Neutralität.

Auch in Deutschland wurden zahlreiche Konsumgenossenschaften gegründet, mit einem deutlichen Schwerpunkt in Sachsen, wo die Arbeiterorganisationen schon früh eine bedeutende Rolle spielten. 1850 schufen in Eilenburg Handwerker und Arbeiter die „Lebensmittelassoziation“, die erste richtige Konsumgenossenschaft in Deutschland, deren Tradition vom „Konsum Sachsen-Nord“ weitergeführt wird.

Von Anfang an wurden die Konsumgenossenschaften vom Obrigkeitsstaat misstrauisch beobachtet. So kam die Merseburger Bezirksregierung 1851 hinsichtlich der Konsumvereine, wie sie auch genannt wurden, zum Schluss: „Soweit sich jedoch der Verdacht geltend macht, dass durch diese Unternehmen soziale, dem gemeinen Wesen nachteilige Bestrebungen unter gewissen Klassen der Bevölkerung gefördert werden, ist es Aufgabe der Polizeibehörde, den Verein in seinem geschäftlichen und außergeschäftlichen Verhalten zu überwachen und gegen Überschreitungen der statutarischen Vereinszwecke einzuschreiten.“

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben Hermann Schulze-Delitzsch und Wilhelm Raiffeisen die Gründung von Handwerker- und von landwirtschaftlichen Genossenschaften. Die Aktivität der beiden hat dazu geführt, dass bereits 1867 ein preußisches Genossenschaftsgesetz erlassen wurde. Am 01. Mai 1889 wurde dann das „Reichsgesetz betreffend die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ erlassen, das, wenn auch mit zahlreichen Änderungen, bis heute in Kraft ist. §1 Genossenschaftsgesetz definiert die Genossenschaften als

„Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, welche die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes bezwecken.“

Das Besondere der Genossenschaft ist, dass man ihr, wie bei einem Verein, grundsätzlich jederzeit beitreten kann und dass man die Mitgliedschaft auch wieder kündigen kann und dann das eingezahlte Geld – wenn es nicht durch Verluste aufgezehrt ist – wieder ausgezahlt bekommt. Die Genossenschaft ist also ein wirtschaftlicher Verein, der darauf angelegt ist, möglichst viele Menschen mit gleichen Bedürfnissen zusammen zu bringen. In dem Unterschied zur Aktiengesellschaft ist es nicht Sinn der Genossenschaft, viel Geld einzusammeln, um aus Geld noch mehr Geld zu machen. Vielmehr geht es um den konkreten Nutzen für die Genossenschaftsmitglieder.

Der Erfolg der Konsumgenossenschaften führte zu Gegenreaktionen der kleinen Einzelhändler. Sie übten Druck aus auf die Großhändler und auf die Fabrikanten, dass diese nicht auch an die Konsumgenossenschaften lieferten. Es kam zu regelrechten Boykottkampagnen, weshalb die Konsumgenossenschaften sich schließlich 1894 eine eigene Großhandelsorganisation schufen, die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine mbH mit Sitz in Hamburg. Die GEG , wie sie abgekürzt genannt wurde, entwickelte sich zu einem äußerst erfolgreichen Geschäft. Sie beschränkte sich nicht auf die Großhandelsfunktion, sondern begann ab 1910 mit der Einrichtung von Eigenproduktionsbetrieben, zunächst mit einer neu gebauten Seifenfabrik in Riesa in Sachsen. Die GEG sprang auch ein, wenn Produktivgenossenschaften der Arbeiter in wirtschaftliche Schwierigkeiten kamen, wie die Produktivgenossenschaft der Tabakarbeiter, deren drei Werke in Hamburg, Sachsen und Baden mit über 800 Beschäftigten sie ebenfalls 1910 übernahm. Solche Produktivgenossenschaften waren häufig gegründet worden, wenn nach längeren Streiks Arbeiter nicht wieder angestellt worden waren und sie darum genötigt wurden, die Produktion in die eigenen Hände zu nehmen. Viele dieser Produktivgenossenschaften haben sich nicht sehr lange gehalten, und es war ein glücklicher Umstand, dass die GEG als Abnehmer und gegebenenfalls Übernehmer zur Verfügung stand.

In der Zeit bis 1933 hat die GEG sich über 50 Produktionsbetriebe zugelegt, dar-unter Fleischfabriken, Teigwarenfabrikation, eine Fischwarenfabrik, eine Kakao- und Schokoladenfabrik, eine Gemüse- und Obstkonservenfabrik, eine Käserei und eine Senffabrik. Produziert wurden aber auch Kleider, Zündhölzer, Möbel und Bürsten und noch vieles andere mehr. So wurde die GEG schließlich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zu dem größten deutschen Lebensmittelhandels- und Produktionsunternehmen mit über 8 Tausend Beschäftigten.

Eine wichtige Zeit der Gründung von Konsumgenossenschaften liegt in den Jahren um die Jahrhundertwende, nach dem das Sozialistengesetz endgültig gefallen war. Dies war auch eine Zeit des schnellen Wachstums der Mitgliederzahlen bei den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei. So ist die Hamburger PRO oder, wie sie damals hieß, der „Konsum-, Bau- und Spar-Verein Produktion eGmbH“ 1899 auf Beschluss des Hamburger Gewerkschaftskartells gegründet worden. In dem selben Jahr erfolgte die Gründung der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, die einmal zur größten Konsumgenossenschaft der Welt werden sollte. Und, um es nicht zu vergessen, 1899 wurde die Konsumgenossenschaft Kiel und Umgegend eGmbH gegründet, eine der Vorläufergenossenschaften der coop Schleswig-Holstein eG, die heute die mit großem Abstand umsatzstärkste deutsche Konsumgenossenschaft ist und sich inzwischen weit über ihr Stammland ausgebreitet hat.

Die Nähe zu den Gewerkschaften und zur Sozialdemokratie hat die Konsumgenossenschaften „Hamburger Richtung“, wie sie genannt wurden, stets gekennzeichnet. Hamburger Richtung darum, weil sie organisiert waren in dem 1903 gegründeten Zentralverband deutscher Konsumvereine e.V. mit seinem Sitz in Hamburg und beliefert wurden von der Hamburger GEG. Daneben gab es noch die Kölner Richtung, die christlich orientierten Konsumgenossenschaften aus dem Kolping-Umfeld.

Die „Hamburger“ Konsumgenossenschaften boten vielfach Mitgliedern der Gewerkschaften eine Arbeitsmöglichkeit, wenn sie aufgrund ihrer gewerkschaftlichen oder politischen Aktivitäten missliebig geworden, darum auf die schwarzen Listen der Unternehmerverbände geraten waren und in ihrem jeweiligen Beruf häufig in dem gesamten Reich keine Arbeit mehr fanden. Ein Beispiel dafür ist der spätere Hamburger Bürgermeister Max Brauer, der sich als gelernter Glasbläser für die Glasarbeitergewerkschaft engagiert hatte, auf die schwarze Liste geriet und in seinem erlernten Beruf nicht mehr arbeiten durfte. Dafür wurde er angestellt bei der PRO, die ihm andererseits so viel Spielraum für seine politischen Aktivitäten gab, dass er schließlich zu dem Oberbürgermeister in dem damals noch holsteinischen Altona gewählt werden konnte.

Das Verhältnis zwischen Konsumgenossenschaften und preußischem Obrigkeitsstaat änderte sich grundlegend während des 1. Weltkriegs, als Sozialdemokratie und Gewerkschaften eine Politik des „Burgfriedens“ verfolgten. Einerseits bewährten sich die Konsumgenossenschaften in dieser Zeit der wachsenden Lebensmittelknappheit und des Hungers als getreue Anwälte ihrer Mitglieder, indem sie die zugeteilten Lebensmittel sorgfältig und gerecht verteilten und keine Schwarzmarktgeschäfte trieben, andererseits stellten sie ihre Produktionskapazitäten zur Verfügung, um Nahrungsmittel für die Front zu produzieren, wie dies beispielsweise die Hamburger PRO in dem großem Umfang tat. Bemerkenswert ist, dass die PRO dabei so viel Geld verdiente, dass sie beschloss, diesen zusätzlichen Gewinn nicht an die Mitglieder auszuschütten, sondern statt dessen ein Kindererholungsheim in Haffkrug an der Ostsee zu errichten. Dieses Heim existiert noch heute, jetzt als Seniorenerholungsheim der PRO-Stiftung.

Wie schon der Name der PRO sagt, waren die Konsumgenossenschaften ursprünglich keineswegs auf den Lebensmittelhandel beschränkt. Sie haben vielfach für ihre Mitglieder gleichzeitig Wohnungen gebaut und andererseits als Sparkasse gedient, wie das beispielsweise bei den italienischen Konsumgenossenschaften noch heute der Fall ist. Den Spareinrichtungen kam wirtschaftlich besondere Bedeutung zu, weil sie den Genossenschaften ermöglichten, sich finanzielle Mittel viel günstiger als bei den Banken zu beschaffen.

Anders als heute waren die Konsumgenossenschaften gesetzlich darauf beschränkt, ausschließlich an ihre Mitglieder zu verkaufen. Dazu gehörte das schon von den Rochdaler Pionieren eingeführte Prinzip der Rückvergütung. Mit den bekannten Umsatzmarken wurde der Umsatz jedes Mitglieds dokumentiert und entsprechend dem Überschuss des jeweiligen Jahres wurde eine Rückvergütung gezahlt. Es gab Genossenschaften deren Rückvergütungssatz ab und zu bei 10 Prozent lag, was natürlich zu einer erheblichen Bindung der Mitglieder an ihre Genossenschaft geführt hat.

Den Nazis waren die Konsumgenossenschaften von Anfang an ein Dorn in dem Auge. In ihrer Propaganda bekämpften sie sie gleichzeitig mit den häufig in jüdischer Hand liegenden Warenhäusern. 1932/1933 haben die Nazis zahlreiche Schaufensterscheiben von Konsumläden zerstört, die Läden beschmiert und in Einzelfällen auch in Brand gesteckt. Nachdem sie an der Regierung waren, haben sie ihr Zerstörungswerk gegen die Konsumgenossenschaften Absichtgerichtet weiterverfolgt. Zunächst wurde mit dem Rabattgesetz von 1933 die Rückvergütung auf 3 Prozent begrenzt und damit das Interesse an der Mitgliedschaft in der Konsumgenossenschaft entscheidend beschnitten. Dann wurde den Konsumgenossenschaften verboten, Spareinlagen anzunehmen, was zu einem erheblichen Verlust an liquiden Mitteln führte und zahlreiche Konsumgenossenschaften an den Rand des Ruins brachte. Schließlich erzwangen die Nazis die Liquidation aller Genossenschaften, denen es wirtschaftlich nicht mehr gut ging, so beispielsweise der Konsumgenossenschaften in Berlin, Kiel, Lübeck und Hannover.

1941 wurde die Zerstörung der Konsumgenossenschaften abgeschlossen, indem ihre Einrichtungenins so genannte Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeitsfront überführt wurden.

Nach Kriegsende fanden sich überall die Konsumgenossenschafter zusammen und bemühten sich deshalb, in den Trümmern die Genossenschaften wieder zu gründen und das verlorene Vermögen, soweit es noch existierte, zurück zu bekommen. Die vier Besatzungsmächte gingen ganz unterschiedliche Wege. In der sowjetischen Besatzungszone wurden die rechtlichen Grundlagen für die Neu-gründung von Konsumgenossenschaften bereits durch einen Befehl der sowjetischen Militäradministration vom Dezember 1945 wieder hergestellt. Ende 1947 zählten die Konsumgenossenschaften in der sowjetischen Besatzungszone bereits 1,8 Millionen Mitglieder. In der britischen Besatzungszone wurde schon 1945 der frühere GEG-Geschäftsführer Henry Everling zu dem Generaldirektor des „GEG Komplexes“ ernannt, wie das Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeitsfront nun genannt wurde. Die Briten förderten wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen den Aufbau von unten, was zur Gründung zahlreicher kleiner Konsumgenossenschaften führte, während die Amerikaner und Franzosen in ihren Zonen an die Strukturen des „Gemeinschaftswerkes“ und der da-zugehörenden „Versorgungsringe“ anknüpften. Große Anstrengungen wurden von den Genossenschaftern unternommen, um das frühere Vermögen zurück zu bekommen, aber viel war verloren und konnte auch nicht wiedergewonnen wer-den. Mit dramatischen Aktionen durch Hamburger Genossenschafter wurde unmittelbar bei Kriegsende der von der alten Arbeitsfront-Riege eingefädelte Verkauf des ehemals konsumgenossenschaftlichen Vermögens an Reemtsma verhindert. Die schnelle Aufbauarbeit führte dazu, dass 1948 in den drei Westzonen zumindest wieder 250 Konsumgenossenschaften mit 750 Tausend Mitgliedern und 5.700 Verteilungsstellen existierten.

Die Konsumgenossenschaften knüpften an die alte Tugend an, Vorreiter bei der Modernisierung zu sein. Und so eröffnete die Hamburger Produktion 1949 den ersten Selbstbedienungsladen in Deutschland. Vorbild dafür waren die schwedischen Konsumgenossenschaften. Der erste Selbstbedienungsladen in Ostdeutschland wurde 1952 vom Konsum Groß-Berlin eGmbH in Treptow eröffnet.

Anfang der sechziger Jahre hatten die Konsumgenossenschaften in der alten Bundesrepublik ihren Höchststand erreicht mit 2,6 Millionen Mitgliedern, 79 Tausend Beschäftigten und fast 10 Tausend Läden.

Die relative Bedeutung des Konsums in der DDR war erheblich größer. Dort gab es zu der Zeit 3,8 Millionen Mitglieder und der Konsum wickelt über 30 Prozent des Einzelhandels ab. Aufgrund politischer Vorgaben durch die SED konzentrierte er sich auf die ländlichen Gebiete.

Mit dem Vordringen der Discounter und der großen Einzelhandelsfilialisten änderte sich das Klima in der alten Bundesrepublik für die Konsumgenossenschaften grundlegend. Stets mehr Genossenschaften kamen in wirtschaftliche Bedrängnis. Der Produktivitätsvorsprung des Konsum wurde eingeholt und überholt. Es begann eine große Modernisierungsdebatte, die in den 60er Jahren mit die Einführung der Marke „co op“ zu einer optischen Modernisierung führte. Mit der Einrichtung der ersten plaza-Märkte wurde auf das Vordringen der Groß-flächenangebote geantwortet. Gleichzeitig fand eine Diskussion um die Frage der richtigen Rechtsform statt, die damit endete, dass von vielen führenden Konsumgenossenschaftlern die Aktiengesellschaft für die bessere Rechtsform als die Genossenschaft gehalten wurde. Als erste Konsumgenossenschaft wandelte sich die saarländische Asko 1972 in eine AG, ihr sollten noch viele folgen, unter anderem auch die Hamburger PRO. Es zeigte sich jedoch, dass der Rechtsformwechsel aus kranken Genossenschaften keine gesunden Aktiengesellschaften machte, so dass eine stets schnellere Fusionsbewegung einsetzte, die schließlich dazu führte, dass der weitaus größte Teil des ehemals konsumgenossenschaftlichen Handels schließlich in der Frankfurter co op AG ver-sammelt war. An der co op AG war die gewerkschaftliche Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft AG (BGAG) maßgeblich beteiligt. Mit den alten genossenschaftlichen Grundsätzen hatte diese co op AG nichts mehr zu tun. Sie geriet stets mehr in wirtschaftliche Bedrängnis, auch bedingt durch kriminelle Machenschaften von Managementangehören um den Vorstandsvorsitzenden Bernd Otto. Um einen Konkurs abzuwenden, wurde 1989 ein Vergleich mit den 143 Gläubigerbanken geschlossen, der faktisch das Ende der co op AG bedeutete. Ihre Reste gingen als Deutsche SB-Kauf AG an den Metro-Konzern.

Nicht alle Konsumgenossenschaften sind dem Weg in die AG gefolgt. Genossenschaft geblieben sind etliche kleine und kleinste Konsumgenossenschaften, aber auch die damals besonders ertragsstarken Genossenschaften KG Dortmund-Kassel eG und co op Schleswig-Holstein eG. Dortmund-Kassel hatte zeitweilig über 500 Tausend Mitglieder. Sie ist unter anderem wegen der vernachlässigten Modernisierung des Ladennetzes in den neunziger Jahren in wirtschaftliche Schieflage geraten und befindet sich zur Zeit in Liquidation. Übrig geblieben von den größeren Konsumgenossenschaften ist in Westdeutschland die co op Schleswig-Holstein eG, deren Namen aber längst nicht mehr zutrifft. Denn die Genossenschaft ist nicht ca. in Schleswig-Holstein tätig, sondern in insgesamt sieben Bundesländern, nämlich zusätzlich in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Diese Genossenschaft kann sich rühmen, dass sie seit ihrer Wiedergründung nach der Nazizeit in keinem Jahr Verlust gemacht hat. Auf der Rangliste der deutschen Lebensmittelhandelsunternehmen steht sie zumindest auf Platz 18, macht 1,4 Milliarden Euro Umsatz, hat 34 Tausend Mitglieder und über 10 Tausend Beschäftigte.

In Ostdeutschland gerieten viele Konsumgenossenschaften nach der Wende in starke wirtschaftliche Schwierigkeiten, die zu zahlreichen Betriebsschließungen und auch Insolvenzverfahren geführt haben. Allerdings gelang es etlichen Genossenschaften, Anschluss an die neuen Bedingungen in dem Handel zu finden und ihre Unternehmen zu sichern. Erfolgreich arbeiten zu dem Beispiel die Konsumgenossenschaften in Dresden, Sachsen-Nord oder Seehausen. Aus dem früheren Verband der Konsumgenossenschaften der DDR wurde die Konsumverband eG, die heute noch Eigentümer der von der GEG gegründeten Bürstenfabrik in Stützengrün ist. 2001 wurde vom Konsum-Prüfverband e.V. und dem ZdK ein gesamtdeutscher Prüfungsverband für die Konsumgenossenschaften geschaffen, der gleichzeitig die Funktion des genossenschaftlichen Spitzenverbandes für die Interessenvertretung gegenüber Regierungen, Behörden und anderen Genossen-schaftsverbänden wahrnimmt.

Wenn wir heute von Konsumgenossenschaften reden, dürfen wir uns nicht auf das klassische Bild beschränken, wie es einst von Unternehmen wie der Hamburger PRO oder von Konsum Berlin geprägt worden ist. Zu dem Konsum gehören nicht ca. Waren, sondern stets mehr auch Dienstleistungen, und so zählen heute vor allem Dienstleistungsgenossenschaften zu dem Kreis der Konsumgenossenschaften. Beispielsweise gibt es in Hamburg und Bremen jeweils eine Genossenschaft von Behinderten, in denen sich diese ihre Betreuung selbst organisieren und damit ein großes Stück Menschenwürde zurückgewinnen. Es hat sich herumgesprochen, dass „die tageszeitung“ eine Genossenschaft ist und wahrscheinlich gäbe es die taz gar nicht mehr, wäre sie keine Genossenschaft. In dem Sinne der genossenschaftlichen Sicherung der Lebensmittelqualität wurden Genossenschaften für den Vertrieb ökologischer Nahrungsmittel gegründet. Freie Schulen werden in der Rechtsform der Genossenschaft geführt und eine der jüngsten Konsumgenossenschaften ist schließlich die in dem Jahre 2 Tausend gegründete Greenpeace energy eG , die mit sauberem Strom handelt. Und daraus ergibt sich der einfache Schluss: Die Genossenschaftsidee hat zahlreiche Wandlungen durchlaufen. Aktuell ist sie stets noch.

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